Meine Hobbies

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Naive polnische Schnitzfiguren

Laufen bis 42,2 km ....

„Und jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne!“ Oft merkt man das nicht sofort. Manchmal jedoch geht es schnell. Als ich dank Carrs Buch („Endlich Nichtraucher!“) am 26. April 1999 von einem Tag auf den anderen, nach fast drei Jahrzehnten Kettenrauchen (durchschnittlich drei Packungen täglich) mit dem Rauchen aufhören durfte, dauerte es vom Ende zum Neuanfang genau zwei Tage. Dann erfasste mich fast übermächtig der Wunsch, auf die Straße zu rennen und loszulaufen. Dahinter stand die Erinnerung an eine erste mehrmonatige Laufperiode in den 1980er Jahren mit viel frischer Luft, aber auch dem rasch folgenden Ende wegen Knie-schmerzen. Diesmal ließ ich es langsamer angehen, auch wenn es von da an fast täglich auf die Piste ging. In den ersten Woche bestand sie gerade mal aus einer gekeuchten Runde um den Cramer-Klett-Park. Dann folgte der Rundlauf um die Wöhrder Wiese, morgens, wenn die Vöglein zwitscherten. Toll das Gefühl, bevor ich ins Büro kam, schon gelebt zu haben. Die Runde erweiterte sich weiter um den Wöhrder See,  dann schon bis Mögeldorf. Nach einem halben Jahr traute ich mich auf die 10 km-Strecke des Stadtlaufs. Das konnte – dem Helmut Beer ist nichts zu schwer – nicht das Ende sein, mindestens der Halbmarathon war nun angesagt usw. usw..

Das Laufen war und ist bis heute meine Rückversicherung, mein Schutz davor rückfällig zu werden wieder das Rauchen anzufangen. Seither keine Zigarette, kein Alkohol, das Laufen, in den ersten Jahren durchaus auch suchtähnlich betrieben, wurde zum Stressventil und zur Seelenstütze. Das ist es bis heute geblieben.

Wie so häufig bei mir – ohne Theorie keine Praxis – stand bald ein Meter Spezialliteratur im Regal und täglich warteten acht paar Schuhe auf den Läufer. – Leidenschaft, Sucht, jedenfalls gab es durchaus Entzugserschei-nungen, wenn eine mehr als dreitägige Unterbrechung nicht vermeidbar war.

2001 folgte der erste Marathon in Regensburg – das Bild hier zeigt den Zieleinlauf, es folgten der Monschau-Marathon und der Medien-Marathon in München, wo ich mit 4 h 12 Min und ein paar Zerquetschte meine beste Zeit lief. Die 42,2-km in Hamburg waren – 2002 und 2003 – zweimal dran: Dort ist die Stimmung beim Marathon zweimal so enthemmt wie beim Nürnberger Fasching. Natürlich war ich auch ziemlich stolz auf mich.

Nach einem spät erkannten, langwierigen Ermüdungsbruch im Herbst 2003 und der sich bis in den Frühsommer 2004 hinziehenden Pause wurde es dann deutlich langsamer. Inzwischen haben sich doch Raucherspätfolgen in Form einer obstruktiven Bronchitis eingestellt. Ich hätte nie geglaubt, dass das passieren könnte, nach fünf gut gelaufenen Marathons.

Das Schlimmste an diesen Pausen ist, wenn man einmal regelmäßig viel gelaufen ist, die Gewichtszunahme, schon wegen der körperlichen Umstellung. Der Wiederanfang wird dann deutlich schwerer. Dennoch – trotz meiner zur Zeit doch zu vielen Pfunde – freue ich mich schon wieder auf die längeren Strecken. Warum? Wann habe ich sonst so viel Zeit für mich selbst und meine Gedanken, wann die Gelegenheit, den eigenen Rhythmus zu finden, wie bei den stundenlangen Läufen durch die Landschaft? Und manchmal steigt bei diesen langen Läufen das Empfinden auf, selbst ein Teil dieser Landschaft, des gelaufenen Weges zu sein, sich aufzulösen in Rhythmus und gleichförmiger Bewegung! Nur noch Rhythmus und Bewegung, ich  – ein Tropfen im Ozean, das ozeanische Gefühl!

Warum schreibe ich das alles so breit und ausführlich? Vielleicht kann es dem ein oder der anderen Mut machen, auch auszusteigen aus dem Rauch und der Sucht, und einen neuen Anfang zu machen.